Der Europäische Verband zur Förderung der Leichtkraftfahrzeuge

Die Fahrzeuge

Der sehr schnell eintretende Erfolg der vierrädrigen Leichtkraftfahrzeuge (Lkfz) in Frankreich führte dazu, dass die französischen Hersteller dieser Branche heutzutage eine Vorreiterrolle auf dem Markt der 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union einnehmen. Die heutigen Modelle haben mit den ersten Fahrzeugen, die vor dreißig Jahren auf unseren Straßen fuhren, allerdings nicht mehr viel gemein: Aufgrund der Einführung einer einheitlichen europäischen Typengenehmigung und einer Reihe an verpflichtenden Sicherheitsstandards sind die vierrädrigen Lkfz heute bequem, praktisch, sicher und verlässlich. Sie lassen sich leicht bedienen und passen sich an die Bedürfnisse ihrer Fahrer an. Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen zwei Fahrzeugtypen :

Die Leichtkraftfahrzeuge

 

Vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge machen den größten Teil des Marktes aus.

 

Ein vierrädriges Leichtkraftfahrzeug (Lkfz) ist vereinfacht ausgedrückt ein Moped auf vier Rädern (die Österreicher sprechen auch von einem “Mopedauto”). Lkfz (Fahrzeugkategorie L6e) fallen unter die Verordnung (EU) Nr. 168/2013 über die Genehmigung und Marktüberwachung von zwei- oder dreirädrigen und vierrädrigen Fahrzeugen und sind somit nicht mit einem konventionellen Kfz gleichzusetzen. Lkfz erfüllen folgende Charakteristika :

  • Höchstgeschwindigkeit von 45km/h (alle L6e) bei max. 6kW (L6e-B)

  • Masse in fahrbereitem Zustand   ≤   425 kg

  • Diesel oder Elektromotor*

  • Automatikschaltung

Lkfz verfügen über eine Reihe an passiven Sicherheitselementen: Sicherheitsgurte, Kopfstütze, Scheibenwischer, helle Scheinwerfer etc.


*Hubraum ist bei diesen Motortypen nicht begrenzt

 

Außerdem bietet das Fahrzeug Stabilität (bedingt durch seine vier Räder) sowie Schutz und Komfort bei Witterungsverhältnissen (äußere Verkleidung, Heizung). Lkfz können in Deutschland ab dem Alter von 16 Jahren mit dem alten Führerschein S und ab dem 19. Januar 2013 mit der neu eingeführten europäischen Führerscheinkategorie AM gefahren werden. In den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen findet seit dem 1. Mai 2013 zudem der Modellversuch „Führerschein AM ab 15“ (bzw. „Moped mit 15“) statt, wodurch Lkfz dort bereits mit 15 Jahren gefahren werden dürfen. In Österreich ist das Führen eines Leichtkraftfahrzeugs mit dem Einverständnis eines Erziehungsberechtigten schon ab 15 Jahren möglich, allerdings wird der Führerschein AM in Österreich durch eine Schlüsselzahl auf einen bestimmten Fahrzeugtyp begrenzt (Schlüsselzahl 118 für Leichtkraftfahrzeuge, 117 für Mopeds). Die Lenkberechtigung ist auf den jeweils anderen Fahrzeugtyp erweiterbar.

Die schweren vierrädrigen Kraftfahrzeuge

 

Für die weniger verbreiteten schweren vierrädrigen Kraftfahrzeuge (L7e), welche über eine maximale Leistung von 15 kW verfügen, wird in Deutschland und Österreich zum Lenken mindestens ein Führerschein B1 benötigt. Bei diesen Fahrzeugen handelt es sich vor allem um kleine Nutzfahrzeuge, welche von Gemeinden eingesetzt werden, oder um Elektrofahrzeuge, die durch ihre Leistung eine optimale Nutzung in urbanen Räumen ermöglichen.

Führerschein AM in Deutschland

 

Seit Inkrafttreten der Führerschein-Richtlinie 2006/126/EG am 19. Januar 2013  benötigt man zum

Fahren eines vierrädrigen Lkfz mindestens die Fahrerlaubnis AM.

 

Mindestalter

16 Jahre (Ausnahme: Modellversuch Führerschein AM ab 15 in den Bundesländern Thüringen, Sachsen und Sachsen Anhalt)

 

Theoretische Ausbildung und Prüfung

  • Grundausbildung: 12 x 90 Min. (gemeinsam mit allen Klassen), Themen: Persönliche Voraussetzungen, Risikofaktor Mensch, Rechtliche Rahmenbedingungen, Straßenverkehrssystem und seine Nutzung, etc.

  • Zusatzausbildung: 2 x 90 Min., Themen: Fahrer/Beifahrer/Fahrzeug, Besonderes Verhalten beim Motorradfahren, Besondere Schwierigkeiten und Gefahren, Fahrtechnik und Fahrphysik

  • Prüfungsfragen und Fehlerpunkte:

        Bei Führerscheinersterwerb          30 Fragen     110 Punkte     davon 10 Fehlerpunkte zulässig

        Bei Führerscheinerweiterung        20 Fragen       72 Punkte     davon 6 Fehlerpunkte zulässig

Praktische Ausbildung und Prüfung

  • Fahrausbildung: Für die Führerscheinklasse AM sind weder eine Mindeststundenzahl noch Sonderfahrten vorgeschrieben. Die Ausbildung sollte allerdings Übungen zur Fahrzeugbeherrschung beinhalten.

  • Prüfungsfahrzeug: Zweirädriges Kleinkraftrad oder Fahrrad mit Hilfsmotor mit einer durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit von mindestens 40 km/h. Für die Prüfung ist ausreichende Schutzkleidung (Schutzhelm, anliegende Jacke, mindestens knöchelhohes festes Schuhwerk) erforderlich.

  • Grundaufgaben: In der Summe sind in der Fahrprüfung der Führerscheinklasse AM vier Grundaufgaben zu fahren:

    • ​obligatorisch: Slalom, Abbremsen mit höchstmöglicher Verzögerung.
    • alternativ (jeweils eine aus a) und eine aus b)):

a)  Ausweichen ohne Abbremsen oder Ausweichen nach Abbremsen

b)  Fahren mit Schrittgeschwindigkeit geradeaus, Stop and Go oder Kreisfahrt.

  • Prüfungsdauer und Mindestfahrzeit: 45 Minuten insgesamt, davon mindestens 2 Minuten Fahrzeit. Die Prüfung ist überwiegend innerhalb geschlossener Ortschaften durchzuführen.

 

Übergangsrecht und Führerscheinumtausch

  • Folgende alte Führerscheinklassen ermächtigen ab dem 19. Januar 2013 ohne Umtausch zum Fahren von Fahrzeugen der Klasse AM:

 

 

 

Lenkberechtigung AM in Österreich

 

Mindestalter

15 Jahre (mit Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten), 

ab 16 Jahren ohne Einverständniserklärung

 

Theoretische Ausbildung und Prüfung

Die theoretische Ausbildung von 6 Unterrichtseinheiten (UE à 50 min) erfolgt in einer Fahrschule, bei einem Verein von Kraftfahrzeugbesitzern (sofern Teil des Kraftfahrtbeirats) oder in einer Schule.

 

 

 

 

 

 

 

 

Praktische Ausbildung und Prüfung

Die praktische Schulung erfolgt sowohl auf dem Übungsplatz als auch im öffentlichen Verkehr unter der Leitung eines Fahrlehrers oder eines besonders geeigneten Instruktors (Verein von Kraftfahrzeugbesitzern, sofern im Kraftfahrbeirat vertreten). Der Lenkberechtigungsanwärter wählt den von ihm gewünschten Fahrzeugtyp der Klasse AM, auf dem er seine Ausbildung absolvieren möchte. Seine Lenkberechtigung wird danach mit der nationalen Schlüsselzahl des entsprechenden Schulungsfahrzeugs beschränkt (117 für Motorfahrrad oder 118 für Leichtkraftfahrzeug).

 

Schulungsumfang: 

  • 6 Unterrichtseinheiten (UE à 50 min) auf dem Übungsplatz und 2 UE im öffentlichen Verkehr 

  • Es ist möglich die Anzahl der UE auf dem Übungsplatz zugunsten der UE im öffentlichen Verkehr zu verringern. Es müssen jedoch mindestens 2 UE im öffentlichen Verkehr absolviert werden und der Mindestumfang der gesamten praktischen Ausbildung beträgt mindestens 8 UE.

  • Pro Tag dürfen nicht mehr als 8 UE absolviert werden.

Erweiterung der Lenkberechtigung:

  • Zur Erweiterung einer Lenkberechtigung AM 117 auf vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge ist die Absolvierung von weiteren 6 UE auf dem Übungsplatz erforderlich.

  • Zur Erweiterung einer Lenkberechtigung AM 118 auf ein Motorfahrrad sind weitere 6 UE auf dem Übungsplatz und 2 UE im öffentlichen Verkehr erforderlich.

  • Zum Erwerb der Lenkberechtigung AM ist keine praktische Prüfung erforderlich. Der Fahrschüler muss während der Fahrausbildung ausreichende Fahrzeugbeherrschung und Verkehrszulässigkeit nachweisen.

 

Übergangsrecht und Führerscheinumtausch

Aktuelle Halter des Mopedausweises werden gemäß des im Mopedausweis eingetragenen Fahrzeugtyps einen Führerschein der Klasse AM mit der jeweiligen Schlüsselzahl (117 für Motorfahrrad oder 118 für Leichtkraftfahrzeug) ausgestellt bekommen. Alle alten Lenkberechtigungsklassen ermächtigen ab dem 19. Jänner 2013 ohne Umtausch zum Fahren von Fahrzeugen der Klasse AM.

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